Sehenswürdigkeiten

Rathaus

Wendelsheimer Rathaus

Das Wendelsheimer Rathaus wurde in seiner barocken Form im Jahr 1759 gebaut. Der zweigeschossige Putzbau mit Eckpilastern hat auf der Straßenseite einen laubenartigen Durchgang. Das Mansard-Walmdach trägt zwei kleine Gauben und einen sechsseitigen Dachreiter mit barocker Haube. Am Turm befindet sich die Turmuhr mit zwei Zifferblättern und in seinem Innern eine Glocke mit der Inschrift “And. Hamm Sohn in Frankenthal goss mich im Jahre 1925 – Ersatz für die dem Weltkrieg geopferte Glocke, 21.9.1925, K.Schlamp”

Im Obergeschoß des Rathauses ist der Sitzungssaal des Gemeinderates und in einem angebauten, früheren Privathaus ist die Gemeindeverwaltung untergebracht. Dieses letztere Steingebäude wurde 1563 gebaut und 1610 aufgestockt. Seine Fassade zeigt besonders schön gekuppelte Fenster mit Maßwerk, Mittelsäulchen samt Basis und Kapitell. Im Innern führt eine steinerne Wendeltreppe zum Obergeschoß.

Da in älteren Urkunden vor 1759 wiederholt vom Rathaus berichtet wird, z. B. 1626 vom “Gerichtsaß uffm Rathauß”, kann angenommen werden, daß es einer Vorgängerbau aus dem 15.Jh. im Baustil der Renaissance gab, welcher im Pfälzer Erbfolgekrieg 1689 zerstört wurde.

Evangelische Kirche

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Von der vorangegangenen romanischen Kirche ist heute nur noch das Untergeschoß des Chorturms mit östlich angebauter, steingedeckter Apsis erhalten. Er stammt vermutlich aus der ersten Hälfte des 12 Jh. In seinem Innern birgt der Turm einen abgetreppten Triumpfbogen mit Polsterkapitellen, Gratgewölbe über Fratzenkonsolen und an der Nordseite des Apsisbogens das Relief eines lauschenden Engels.

Das Kirchenschiff wurde 1783 in Form eines klassizistischen Saalbaus erneuert. Der romanische Turm erhielt zur selben Zeit eine barocke Haube.

Der Glockenstuhl trägt drei Glocken, wovon die älteste und größte im Jahr 1699 in der Gießerei Schneidewind in Frankfurt gegossen wurde. Die beiden andern Glocken wurden 1952 als Ersatz für die dem zweiten Weltkrieg geopferten Glocken in der Gießerei Rincker in Sinn gefertigt.

Die ursprüngliche Orgel der Brüder Stumm wurde 1964 bei einer Restaurierung der Kirche durch einen Neubau der Firma Ott in Göttingen ersetzt. Nur der alte Prospekt der Stummorgel blieb erhalten und ziert heute die neue Orgel.

Im Chorraum der Kirche steht ein Weihwasserbecken aus der Zeit um 1520. Das Wormser Kunstmalerehepaar Pallsch fertigte 1964 zehn Bildtafeln, u.a. mit dem Thema der Bergpredigt Jesu, zur Abgrenzung der Empore.

Im Außenbereich der Kirche gab es einen Wehrfriedhof, auf welchem um 1882 die letzte Bestattung stattfand. Die Wehrmauer mit den Resten zweier Schalentürme ist noch erhalten.

Das Pfarrhaus neben der Kirche wurde 1716 erbaut. Der Vorgängerbau stand unmittelbar daneben und wurde erst 1962 abgetragen.

Rheingräfliches Schloß

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Das neunachsige barocke Hauptgebäude des Wendelsheimer Schloßgutes wurde im Jahr 1758 unter dem Rheingrafen Carl Magnus von dem Hofarchitekten Leonard Reichel erbaut. Der zweigeschossige Bau hat Eckpilaster, trägt mächtiges Mansard-Walmdach und der Mittelrisalit beherbergt im Erdgeschoß ein Säulenportal. Um 1760 wurde in einem der weitläufigen Wirtschaftsgebäude, dem ehemaligen Marstall, jetzt Schloßgasse Nr. 3, die Gaststätte Zum güldenen Engel eingerichtet. Der Grund war, daß der rheingräfliche Bruder Ludwig nach Beendigung seiner Militärzeit in französischen Diensten vom Hof Stanislaus Lescynshys in Luneville seinen Koch Ernst Braun mitgebracht hatte. Am Hof in Grehweiler konnte Braun als Koch nicht unterkommen, so daß man ihm in Wendelsheim eine Existenz beschaffte.

Rheingraf Carl Magnus wurde 1770 wegen seiner Schuldenpolitik von einer vom Kaiser eingesetzten Kommission für regierungsunfähig erklärt und für 10 Jahre Haft in die Festung Königstein geschickt. Das Wendelsheimer Schloß fiel an die fürstliche Seitenlinie Salm-Kyrburg und dessen Prinz Moritz Gustav Adolf bewohnte mit seiner Frau Christina Maria Louisa, einer geborenen Reichsgräfin von Wartenberg-Mettenheim bis zur farnzösischen Revolution das herrschaftliche Anwesen. In der Franzosenzeit wurde das Schloß versteigert; erster privater Eigentümer war Adam Vogt, Maire während des Anschlusses an Frankreich und auch danach in großherzoglich-hessischer Zeit Bürgermeister der Gemeinde.

Das Terrain des Schloßgutes war seit dem frühen Mittelalter Eigentum der Wild- und Rheingrafen, so daß anzunehmen ist, daß bereits mehrere Vorgängerbauten bestanden.

Ehemalige Getreidemühle.

Die wasserreichen Bachtäler von Wendelsheim, die in den Ausläufern des nordpfälzer Berglandes entspringen, führten schon sehr früh zur Ansiedlung von Getreidemühlen. Ersten urkundlichen Nachweis finden wir im Wendelsheimer Weistum von 1515 über die Bannmühle und über die Rübenmühle, vormals kleine Mühle genannt. Die Hasselmühle wird erstmals schriftlich in einem Schenkungsakt von 1596 als Haselmöl genannt. Finkenmühle und Riedmühle sind in einer Flurkarte von 1707 nachgewiesen. Die Mosbacher Mühle ist 1729 belegt, während die Neue Mühle, später Klee’s Mühlchen genannt, erst 1840 erbaut wurde. Die Ölmühle am Ortsrand von Oberwendelsheim, die über einen Mühlgraben das Wasser vom Finkenbach erhielt, wurde ebenfalls 1840 erstellt. Eine sehr alte Mühle war die Weißensteiner Mühle. Sie war im 14. Jh. Bannmühle der Herren von Randeck, deren Schloß sich oberhalb der Mühle befand. Die Mühle wurde anfangs des 20. Jh. aufgegeben und an ihre Stelle das Forsthaus Weißenstein gebaut. Alle Mühlen wurden wegen des beschränkten Wasseraufkommens mit oberschlächtigen Wasserrädern betrieben.

Weinbergshäuser

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Weinbergshäuser sind markante Punkte in unserer Kulturlandschaft. Drei von ihnen stehen unter Denkmalschutz. Zum einen der um 1860 entstandene neugotische Turm mit einer zweiflügeligen, insgesamt 188 Meter langen und durchschnittlich 2.20 Meter hohen Windschutzmauer. Der Turm enthält einen kuppelgewölbten Raum, der mit einer flachen Decke abschließt, die gleichzeitig als Aussichtsterasse dient. Zur Plattform führt eine Treppe aus 19 Sandsteinblockstufen, Die Terrasse ist durch eine schlichte Eisenbrüstung gesichert. Der Eingang und die beiden Fenster sind mit spitzbogigen profilierten Sandsteingewänden ausgestattet. Die Anlage wurde 1996 restauriert und erhielt 2001 die Auszeichnung Prämiertes Weinbergshäuschen der Weinbruderschaft Rheinhessen.

Zum andern sind die beiden Trullis in ihrer archaischen Ausbildung besonders charakteristische und bauhistorische Zeugnisse der Weinbaugeschichte unserer Region. Sie wurden um 1750 errichtet und gleichen der süditalienischen Bauweise, die darauf hinweist, daß sie seinerzeit von apulischen Gastarbeitern geschaffen.

Ausflugsziel Teufelsrutsch

In prähistorischer Zeit grub der Wiesbach ein tiefes Tal in unsere heimische Waldlandschaft. So entstand jene Kuppe aus Porphyrfels, die wegen ihrer reizvollen Natur und schönen Fernsicht schon 1885 dem gerade gegründeten Verschönerungsverein Anlaß waren, einen Platz zu ebnen und ein Haus, das so genannte Schweizerhaus, zu bauen, wegen dem Bedürfnis seiner zahlreichen Besucher nach Schutz gegen die Unbilden der Witterung sowohl, als auch den Naturgenuss erhöhenden Einrichtungen für die Bequemlichkeit. Daß sich schon die Kelten unweit des Teufelsrutschfelsens eine Fliehburg anlegten, ist sicher weniger durch die schöne Aussicht begründet, als durch die gute Verteidigung auf nach drei Seiten steil abfallendem Felsen

Etwa 20 Meter unterhalb des Schweizerhauses befindet sich ein über 60 Meter langer Stollen, den der Volksmund Schinderhanneshöhle nennt. Die anfängliche Bauart des Stollens verweist auf das 14 Jh. Gewonnen wurde Quecksilber, das hier in Form von Zinnober, der Verbindung mit Schwefel, gefunden wurde.

Laukhard-Denkmal

 

Der Gedenkstein in der Grünanlage der Ortsmitte zur Erinnerung an den am 7. Juni 1757 im Wendelsheimer Pfarrhaus geborenen Schriftsteller Friedrich Christian Laukhard wurde am 29.Juni 2002 eingeweiht. Das Monument wurde von dem Flonheimer Steinhauer Marcus Geil geschaffen und bedeutet eine verspätete Ehrung für den wohl berühmtesten Wendelsheimer.

In einem freigeistigen Elternhaus groß geworden und schon früh von seinem Vater mit den Gedanken der Aufklärung vertraut gemacht, Laukhard studierte nach dem Besuch des Gymnasiums in Grünstadt, an den Universitäten Gießen und Göttingen Theologie. 1983 besteht er in Halle das Examen zum Magister und habilitiert sich kurz darauf an der Universität Halle. Weihnachten des gleichen Jahres faßt er in drückender finanzieller Lage den allgemein als sensationell empfundenen Entschluß, Soldat bei der preußischen Armee zu werden. Er nimmt am Feldzug der Koalitionsmächte gegen das revolutionäre Frankreich 1792 teil und schildert die Greuel des Krieges in seinen Briefen eines preußischen Augenzeugen und in seiner Autobiographie Leben und Schicksale.

Er ergreift Partei für die Ziele der französischen Revolution und wird 1793 als Deserteur ins belagerte Landau geschickt, um den dortigen Volksrepräsentanten, seinen früheren Bekannten, zur Übergabe der Stadt zu überreden. Der Plan scheitert und für Laukhard beginnt ein dreijähriger Aufenthalt in Frankreich, teils als Gefangener, teils als Mitglied der Sansculotten, während dem er die Lebensumstände der unteren Klassen kennenlernt, die dann Bestandteil seiner Schriften werden. Nach seiner Rückkehr nach Halle findet er jedoch keine Anstellung und bestreitet seinen Lebensunterhalt durch das Verfassen zahlreicher Schriften. Von 1804 bis 1811 ist Laukhard Pfarrer in Veitsrodt, wo er noch mehrere Werke verfaßt. Seinen Lebensabend verbringt Laukhard als Privatlehrer in Kreuznach, und stirbt dort am 28. April 1822.